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Inwiefern sind die Wahlen im Kanton Zürich für die Schweiz richtungsweisend? Foto: Flickr/Zürich Tourismus.

Gibt der Kanton Zürich den Takt vor?

Im aktuellen Jahr sind politische «Ereignisse» nicht ausschliesslich Abstimmungen, Sessionen und «Skandalen» vorbehalten. Am 29. November dieses Jahres geht die 49. Legislaturperiode zu Ende. Das bedeutet auch, dass nationale Wahlen anstehen – notabene das politische «Grossereignis» der Schweiz.

Vor dem Hintergrund der nationalen Wahlen stossen auch kantonale Wahlen auf ein erhöhtes Interesse. Obwohl im nationalen Wahljahr in vier Kantonen gewählt wird, beschränken wir uns auf den Kanton Zürich – seiner Grösse wegen. Immerhin kommt ein Sechstel aller Schweizer Stimmberechtigten aus dem Kanton Zürich. Von grossem Reiz sind dabei Spekulationen, inwiefern sich aufgrund kantonaler Wahlen Tendenzen für den kommenden Herbst ausmachen lassen. Diese Frage ist durchaus berechtigt: So hätte die Entwicklung der SP auf nationaler Ebene vor acht Jahren gut mit den Zürcher Wahlen vorausgesagt werden können. Auch das Aufkommen der GLP hat sich 2007 bereits bei den Zürcher Wahlen abgezeichnet.

Die folgenden Grafiken zeigen die Veränderungen der nationalen wie auch der kantonalen Parteistärke (Details zur Parteistärke finden Sie am Ende des Posts). Liegt ein Datenpunkt im grünen Bereich, so hat die jeweilige Partei im Vergleich zu den vorhergehenden Wahlen zugelegt. Ein Lesebeispiel: Die SP hat 1995 sowohl bei den Kantonsratswahlen Zürich (grüne Linie) wie auch bei den folgenden Nationalratswahlen (rote Linie) im Vergleich zu 1991 zulegen können. Auch 1999 war dies der Fall, jedoch waren die Gewinne weniger stark als 1995. Das wird dadurch verdeutlicht, dass sowohl die rote wie auch die grüne Linie ein Gefälle aufweisen, sich aber 1999 immer noch im grünen Bereich bewegen. Umgekehrt gilt auch, wenn ein Datenpunkt im roten Bereich zu liegen kommt, so hat die Partei Einbussen hinnehmen müssen. Weiter unten finden Sie die auch Veränderungen der Parteistärken für die kantonalen Wahlen von Baselland, Luzern und Zürich und dies immer im Vergleich zum Trend bei den darauf folgenden Nationalratswahlen im Herbst.

Veränderung der Parteistärke (SP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (SP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

 

Veränderung der Parteistärke (GLP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (GLP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

 

Veränderung der Parteistärke (GPS) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (GPS) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

 

Veränderung der Parteistärke (BDP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (BDP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

 

Veränderung der Parteistärke (FDP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (FDP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

 

Veränderung der Parteistärke (SVP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (SVP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

 

Veränderung der Parteistärke (EVP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (EVP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

 

Veränderung der Parteistärke (CVP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.
Veränderung der Parteistärke (CVP) in Prozentpunkten. Quelle: Bundesamt für Statistik.

Wie die meisten Leser wahrscheinlich vermuteten, taugen die Parlamentswahlen des Kantons Zürich unterschiedlich gut für die Prognose des nationalen Trends. Für die FDP konnte der Trend in 81 Prozent oder in 13 von 16 Fällen richtig vorausgesagt werden, wobei die Trends im Jahre 1991 zum letzten Mal auseinander liefen. Auch für die SP beträgt die “Prognosegenauigkeit” 81 Prozent, jedoch liegt die letzte Abweichung zwischen den Trends deutlich weiter in der Vergangenheit zurück: 1979 legte die Partei bei den Zürcher Wahlen zu, verlor jedoch bei den folgenden nationalen Wahlen. Für die SVP gelten bereits nicht mehr solche Spitzenwerte. Nur noch in drei von vier Wahlen wiederholte sich der Zürcher Trend auch bei den nationalen Wahlen – was übrigens auch für die CVP gilt. Allerdings stimmte der Zürcher SVP-Trend bei den letzten neun Wahlen mit dem nationalen Ergebnis überein. Mit anderen Worten: Legte die SVP bei den letzten neun Wahlen in Zürich zu, gewann sie auch bei den nachfolgenden nationalen Wahlen. Verlor sie hingegen in Zürich Stimmen (wie etwa 2011), so setzte es auch bei den nationalen Wahlen eine Niederlage ab. Am wenigsten taugen die Zürcher Wahlen, wenn es um die Voraussage für den nationalen Trend der EVP geht: In nur noch 68 Prozent wäre man korrekt gelegen.

Zu guter Letzt: Die Trends der Parteistärken der neuen Mitteparteien hätte bis jetzt zu 100 Prozent korrekt vorausgesagt werden können. Was nach absoluten Spitzenwerten klingt, muss schnell relativiert werden: Es handelt sich jeweils nur um einen Fall (BDP) bzw. zwei Fälle (GLP).

Wie schneiden die Kantone Baselland und Luzern ab?

Damit wir uns nicht dem Vorwurf aussetzen müssen, nur den Kanton Zürich in Betracht zu ziehen, zeigen wir in sieben interaktiven Grafiken die Veränderung der Parteistärken pro Partei. Durch Klicken der farbigen Buttons lassen sich kantonale Parteistärken untereinander, aber auch mit der nationalen Parteistärke vergleichen. Es sei jedoch vorweg genommen, dass sich für jede Partei mindestens gleich gute Trend-Prognosen machen lassen, wenn man den Kanton Zürich als Basis nimmt. Wie dem auch sei, wir wünschen: «Gut klick!»







Hier geht es zum Media-Monitor der Regierungsratswahlen im Kanton Zürich.

Hier finden Sie Wähleranteile auf Gemeindeebene des Kantons Zürich.

Hier finden Sie alles rund um die Stimmkraftausschöpfung.

Wie die Parteistärken berechnet werden, finden Sie hier.