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Baselbieter Wahlen: Medienmonitor als Prognoseinstrument?

Im Vorfeld der Baselbieter Regierungsratswahlen haben wir einen Medienmonitor eingerichtet, der die namentliche Erwähnung der Kandidaten und Kandidatinnen über einen bestimmten Zeitraum kontinuierlich erfasste. Die Frage, die wir in einer Art Nachlese zu den Wahlen beantworten wollen, lautet: Hätte dieser Medienmonitor als Prognoseinstrument etwas getaugt? Oder anders gefragt: Ist die Häufigkeit, mit welcher Exekutivkandidaten in (ausgewählten) Medien erwähnt werden, auch ein guter Prädiktor für ihre Wahlchancen?

Kurz zur zugrundeliegenden Theorie, sofern man diese überhaupt als «Theorie» im engeren Sinne bezeichnen darf: Warum sollte die Nennhäufigkeit denn überhaupt einen Einfluss haben auf die Wahlchancen eines Kandidaten? Bei den Baselbieter Regierungsratswahlen erhalten die BürgerInnen einen leeren Wahlzettel. Darauf sind maximal fünf Namen zu schreiben. Um dies tun zu können, müssen die Namen der (chancenreichsten) Kandidaten jedoch zunächst einmal bekannt sein. Es leuchtet wohl sofort ein, dass ein Kandidat, welcher der Wählerschaft weitestgehend unbekannt ist, auch nicht auf den Wahlzettel gelangen kann. Wie aber werden die Namen der Regierungsratskandidaten bekannt gemacht bzw. woher wissen die BürgerInnen, wer sich um diese fünf Sitze bewirbt? Einerseits durch politische Werbung, also beispielsweise durch Inserate in Zeitungen oder durch Strassenplakate. Letztere haben wir nicht erhoben. Andererseits erlangen die Kandidaten aber auch dadurch Bekanntheit, dass sie in den Medien präsent sind, in redaktionellen Beiträgen erwähnt werden oder sich an Fernsehdiskussionen (etc.) beteiligen. Diese Medienpräsenz haben wir mit dem Medienmonitor erhoben. Die Annahme, dass sich die Nennhäufigkeit auf die Wahlchancen auswirkt, ist demnach nicht völlig abwegig.

Aber Korrelation bedeutet bekanntermassen nicht Kausalität. Der Umstand, dass der Kandidat mit den wenigsten Nennungen, der parteilose Tom Kreienbühl (siehe Abbildung unten), auch den letzten Platz bei den Wahlen belegte, hat wohl damit zu tun, dass man ihm wegen seinen, von Vornherein geringen Wahlchancen auch nur einen geringen Nachrichtenwert zumass. Die Kausalität verläuft hier wohl in die andere Richtung: Weil seine Wahlchancen ohnehin gering waren, wurde der Kandidat auch nur selten erwähnt und nicht etwa: Weil er so selten erwähnt wurde, verringerten sich auch seine Wahlchancen. Indes, im Prinzip ist auch eine wechselseitige Beziehung zwischen Nennhäufigkeit und Wahlerfolg denkbar. Für reine Prognosezwecke spielt dies alles aber nur eine untergeordnete Rolle. Die Journalisten fungieren in einem solchen Fall als eine Art «Wahlbörse», d.h., sie nehmen die geringen Wahlchancen eines Kandidaten vorweg und berichten deshalb auch seltener über ihn.

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Schwerwiegender ist hingegen der Umstand, dass wir den Kontext der Nennung nicht berücksichtigt haben, d.h., der Umstand, ob der Kandidat (eher) positiv oder (eher) negativ dargestellt wurde. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich dies – zumindest bis zu einem gewissen Grad – auf die Wahlchancen auswirkt. Um das Problem zu verdeutlichen, diene folgendes Beispiel: Kein Politikername wurde in den Innerschweizer Medien in den letzten Monaten wohl so häufig erwähnt wie «Hürlimann» und «Spiess-Hegglin» – aus bekannten Gründen. Hat sich das auf die Wahlchancen der beiden Zuger Kantonsräte/innen – die Zuger Wahlen finden indes erst in vier Jahren statt – ausgewirkt? Ja, wahrscheinlich schon, aber aller Voraussicht nach nicht positiv, sondern negativ. Generell können wir deshalb sagen: Ereignet sich etwas Skandalträchtiges, dann hat dies hohen Nachrichtenwert, mit der Folge, dass die Medien über den/die darin verwickelte/n Kandidaten/in intensiv berichten. Das erhöht zwar, wie oben vermutet, den Bekanntheitsgrad der Kandidaten – inzwischen dürften wohl die meisten Stimmbürger wissen, wer Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin sind – aber erhöht nicht zwingend deren Wahlchancen, sondern verringert sie unter Umständen massiv. «Bad News» sind aller Warhscheinlichkeit nach «Good News» für die Presse (deshalb auch die hohe Nennhäufigkeit von Politikern, die in «Bad News» verwickelt sind), nicht aber für die Kandidaten. Da sich aber im Vorfeld der Baselbieter Wahlen wenig «Skandalträchtiges» ereignet hat, gehen wir auch nicht von solch verzerrenden Effekten aus.

Wie sieht nun das Medienmonitor-Ranking im Vergleich zu den Wahlergebnissen aus? In der Tat sind vier der fünf Gewählten auch in den Top Five des Medienmonitors. Danach folgt Regula Nebiker vor ihrem Parteigenossen Daniel Münger, während Matthias Imhof und Tom Kreienbühl die letzten beiden Plätze einnehmen. Die untere Hälfte des Medienmonitors entspricht in etwa dem tatsächlichen Wahlergebnis. Der einzige, der hier klar aus der Reihe tanzt, ist Anton Lauber (CVP). Er wurde seltener als Regula Nebiker (SP) erwähnt, erzielte aber das beste Ergebnis überhaupt. Das Medienranking der gewählten Bisherigen entspricht ebenfalls nicht der Rangfolge des Wahlergebnisses – zumal die Unterschiede im medialen Präsenzranking zwischen den Bisherigen zuweilen sehr gering sind. Hier könnte man allenfalls mit einer gehörigen Portion Wohlwollen argumentieren, dass die Bekanntheit bei den Bisherigen keine derart wichtige Rolle spielt wie bei den Neukandidierenden. Wenn man nun nur die Neukandidierenden betrachtet, sind Medienranking und Rangierung bei den Wahlen hingegen identisch. Monica Gschwind (FDP) wurde deutlich häufiger erwähnt als etwa Regula Nebiker und eroberte in der Folge auch den frei gewordenen SP-Regierungssitz.

Letztlich muss aber mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass sich dieses Muster selbstverständlich auch nur zufällig ergeben haben könnte. Um das etwas zuverlässiger beurteilen zu können, muss der Medienmonitor deutlich häufiger verwendet werden.

 

Zu den Wahlen im Kanton Basel-Landschaft

Im Kanton Basel-Landschaft finden am 8. Februar die ersten kantonalen Parlaments- und Regierungswahlen des Jahres 2015 statt. Die Ausgangslage ist spannend und Grund, das bisher geschriebene für den Kanton zusammen zu fassen.

In welcher Gemeinde kann welche Partei auf grosse Unterstützung zählen? Folgende Grafiken zeigen die Wähleranteile jeder Partei in den Gemeinden aufgrund der  Landratswahlen 2011. Je dunkler eine Gemeinde eingefärbt ist, desto mehr Wähler hat die entsprechende Partei in dieser Gemeinde. Unterhalb der Karten finden sich Histogramme. Diesen lässt sich entnehmen, in wie vielen Gemeinden eine Partei wie stark ist. So sieht man am Beispiel der SVP, dass die Partei in relativ vielen Gemeinden einen Wähleranteil zwischen 20 und 40 Prozent aufweist.

 

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Wähleranteile in den Gemeinden des Kanton Basel-Landschaft. Quelle: Landeskanzlei Kt. BL.

 

Regierungsratswahlen: Schwellenwert des absoluten Mehrs

Im Kanton Basel-Landschaft wird das absolute Mehr auf der Basis der gültigen Kandidatenstimmen errechnet. Deshalb reichte es bei den letzten drei Gesamterneuerungswahlen aus, wenn der Name eines Kandidaten im Schnitt auf 37 Prozent aller Wahlzettel stand. Aus demselben Grund waren auch keine zweiten Wahlgänge nötig (was jedoch nicht für Ersatzwahlen gilt, bei denen in der Regel nur ein Sitz neu besetzt wird).

Regierungsratswahlen: Stimmkraftausschöpfung

Das absolute Mehr ist in Basel-Land von der Stimmkraftausschöpfung abhängig. Würden beispielsweise alle Wähler und Wählerinnen exakt fünf Namen auf den leeren Wahlzettel schreiben, würde die Höhe des absoluten Mehrs 50 Prozent (+1) der Wahlzettel betragen.  Das ist aber längst nicht immer der Fall. Genauer gesagt: Die Stimmkraftausschöpfung im Kanton Basel-Landschaft beträgt durchschnittlich 75 Prozent. Das heisst: Im Schnitt schreiben die Wähler und Wählerinnen etwas mehr als dreieinhalb Namen auf den Wahlzettel.

Parteistärke aufgrund der Landratswahlen (kantonal)…

Vergleicht man die Parteienstärke über die Zeit, so lassen sich nationale Tendenzen auch auf kommunaler Ebene nachzeichnen. Die SVP vermochte ihre Stärke seit 1991 von 12 auf 25 Prozent auszubauen, während die FDP zwischen 1995 und 2011 um 11 Prozentpunkte geschrumpft ist und 2011 die neuen Mitteparteien auftauchen. Im linken Lager konnte die SP das Niveau von 23 Prozent halten seit Anfangs 90er Jahre halten, derweil die Grünen in diesem Zeitraum drei Prozentpunkte zugelegt haben.

… und aufgrund der Nationalratswahlen (kantonal)

Quellen: Bundesamt für Statistik. Eigene Darstellung.

Wie sich die Parteienstärke berechnet, wird hier erläutert.

 

Dossier Kt. BL

Wenn Sie wissen wollen, was ein Amtsinhabereffekt ist und was er mit der kommenden Regierungsratswahl im Kanton BL zu tun hat:

» Hier finden Sie unsere «Nachlese» zu den Wahlen im Kanton Baselland.

» Hier finden Sie unseren Beitrag zum Zweierticket der SP BL.

Für die Regierungsratswahlen haben wir einen Media-Monitor aufgeschaltet. Täglich aktualisiert zeigen wir sowohl die Aktivität der Kandidaten auf Twitter, als auch die Anzahl Artikel in Printmedien, in denen die Regierungsratskandidaten zumindest erwähnt werden. Weiter stellen wir die Anzahl der Seitenaufrufe des Wikipedia-Profils der Kandidaten zur Verfügung. Insbesondere für Twitter und Wikipedia gilt, dass nur dargestellt werden kann, was auch verfügbar ist. Einzelne Kandidaten verfügen über keinen Wikipedia-Eintrag oder kein Twitter-Konto.

» Hier finden Sie den Media-Monitor der Regierungratskandidaten.

Was der berechnete Schwellenwert des absoluten Mehrs mit der Stimmkraftausschöpfung zu tun hat:

» Hier finden Sie alles rund um die Stimmkraftausschöpfung (inkl. Kanton Basel-Landschaft).

 

 


Sind zwei einer zuviel?

Unter dem Hashtag #2von5 wirbt die SP des Kantons Basel-Landschaft für ihre beiden Regierungsratskandidaten. Doch wie erfolgreich sind Mehrfachkandidaturen im Vergleich zu Einzelkandidaturen? 

Ausgangslage

Die ersten kantonalen Wahlen im Superwahljahr 2015 finden in Baselland statt. Die Ausgangslage ist durchaus spannend. Die fünf national wählerstärksten Parteien halten jeweils einen der fünf Baselbieter Regierungssitze inne. Bei den kommenden Wahlen vom 8. Februar treten nun die vier Bisherigen der SVP, FDP, CVP und Grünen wieder an, während der bisherige SP-Vertreter Urs Wüthrich auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Der «SP-Sitz» – auf den die SP formell natürlich ebenso wenig wie alle anderen Parteien einen Anspruch hat, den sie aber seit 1925 ununterbrochen innehat – wird demnach «frei». Für diesen Sitz kandidieren nun eine zusätzliche FDP-Sprengkandidatin (Monica Gschwind) und zwei SP-Kandidaten (Regula Nebiker und Daniel Münger). Aber: Sind zwei Kandidaten derselben Partei für einen «frei werdenden» Sitz nicht einer zuviel?

Amtsinhaber werden so gut wie sicher wiedergewählt

Bevor wir uns der oben gestellten Frage zuwenden, bedarf es noch einiger Erläuterungen. Zunächst einmal werden bei Gesamterneuerungswahlen alle Regierungsräte und -rätinnen neu gewählt. Die beiden SP-Nominierten kandidieren somit nicht bloss für den Sitz des zurücktretenden Urs Wüthrich, sondern für die fünf Baselbieter Regierungssitze. Es ist demnach auch keineswegs auszuschliessen, dass beide SP-Nominierten in die Exekutive gewählt werden – zumal die SP in der Vergangenheit auch schon mit einer Doppelvertretung in der Baselbieter Regierung sass. Ein solches Szenario ist demnach möglich, aber – rein statistisch gesprochen – eher unwahrscheinlich. Warum? Das liegt am Bisherigenbonus, den Amtsinhaber im Vergleich zu neu Kandidierenden haben. Dieser Bisherigenbonus beträgt bei kantonalen Regierungswahlen in der Schweiz beinahe 20 Prozent an Wählerstimmen. Die Wiederwahlrate von Amtsinhabern ist dementsprechend hoch und beträgt 92 Prozent (2000-2014). Kurz, Bisherige werden in aller Regel wiedergewählt. Für die Baselbieter Wahlen bedeutet das nun, dass im Prinzip noch ein Sitz verbleibt – sofern alle Bisherigen bestätigt werden. Die SP-Delegierten des Kantons Baselland hatten sich nun entschieden, eine Zweierkandidatur aufzustellen. Die Frage ist nun: Schmälert eine Doppelkandidatur nicht die Erfolgschancen beider Kandidaten, weil dadurch eine Stimmenzersplitterung wahrscheinlich wird?

Die Gretchenfrage: Wie viele Kandidaten soll man nominieren?

Generell gilt: Man soll nur so viele Kandidaten aufstellen, wie man sich realistischerweise – aufgrund der Wähleranteile bzw. der «Blockstärke» – Regierungssitze zu gewinnen erhoffen darf. Eine Partei, die zu viele Kandidaten nominiert, läuft Gefahr, dass sich die Parteikandidaten am Ende gegenseitig Stimmen wegnehmen. Dass sich die Parteien zumindest näherungsweise an diese Logik halten, zeigt nachfolgende Abbildung: Es besteht – mit Ausnahme der FDP – ein starker Zusammenhang zwischen der kantonalen Parteistärke und der Anzahl nominierter Kandidaten. Je höher also der Wähleranteil einer Partei, umso mehr Kandidaten stellt sie auf. Interessant ist überdies, dass die beiden Flügelparteien SP und SVP häufiger als die beiden Mitte-Parteien auf Kandidaturen ganz verzichten. Selbst bei einem Wähleranteil von 10 Prozent (und teilweise gar mehr) kommt es bei SP und SVP vor, dass sie überhaupt keine Kandidaten nominieren.

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Boxplot zwischen der kantonalen Wählerstärke (bei den jeweiligen Kantonsratswahlen) und der Anzahl «offiziell» nominierter Kandidaten (sogenannte «wilde» Kandidaten wurden nicht berücksichtigt). Alle Majorzwahlen mit Konkurrenzcharakter zwischen 2000-2014. Wahlen, in denen eine Partei mehr als drei Kandidaten aufstellte, sind entweder zu selten für eine statistische Analyse oder haben beinahe schon den Charakter einer Proporzwahl (Kanton NE).

Aber lässt sich die grössere Wahrscheinlichkeit der Stimmenzersplitterung bei Mehrfachkandidaturen auch empirisch belegen? Wir nehmen es hier gleich vorweg: Einwandfrei belegen lässt sich das kaum. Dazu müsste man testen, wie eine Einzelkandidatur im Vergleich zu einer Doppel- (oder Mehrfach-)Kandidatur bei exakt denselben Wahlen (oder zumindest unter vergleichbaren Bedingungen) abschneidet. Deshalb ist unser Anspruch auch nicht, eine «naturwissenschaftlich» exakte, sondern bloss eine approximative Antwort auf diese Frage zu geben.

Untersuchen wollen wir, ob Neukandidierende einer Partei – es konkurrieren ja drei Neukandidierende um den frei gewordenen Baselbieter SP-Regierungssitz – besser abschneiden, wenn sie einzeln antreten als im «Doppel-» oder «Multipack». Dazu muss man aber zunächst festlegen, was unter einem «guten Abschneiden» bei Regierungsratswahlen zu verstehen ist. Wir haben das so definiert: Ein Kandidat, der von einer Partei portiert wird, soll mindestens so viele Stimmen erzielen wie seine Partei bei den (in der Regel gleichzeitig stattfindenden) kantonalen Parlamentswahlen. Das ist die untere Grenze. In der Schule würde man so ein Abschneiden mit «knapp genügend» bezeichnen. Im Prinzip darf aber von Regierungsratskandidaten erwartet werden, dass sie höhere Stimmenanteile erreichen als die Wählerstärke ihrer Partei. Zum Beispiel darf erwartet werden, dass ein SP-Kandidat auch Stimmen von grünen WählerInnen erhält. Deshalb haben wir noch eine weitere, obere Grenze definiert, die fünf Prozentpunkte über der eigenen Parteistärke liegt. Diese Grenze hat zugegebenermassen etwas willkürliches, denn ebensogut hätte man ein um zehn Prozentpunkte besseres Abschneiden als Schwellenwert definieren können. Doch für unsere Untersuchungszwecke spielt das keine entscheidende Rolle.

Die Resultate unserer Kurzanalyse sind nicht ganz so eindeutig, wie wir uns das gewünscht haben. Aber immerhin gab es bloss eine Einzelkandidatur, welche das «Plansoll» – also zumindest die Stimmen der eigenen Parteiwähler auf sich zu vereinigen – nicht erfüllte. 21 Mehrfachkandidaturen verpassten hingegen dieses Ziel. Auch wenn wir das Plansoll – wie oben geschildert – um fünf Prozentpunkte anheben, so schneiden Einzelkandidaturen tendenziell besser ab als Mehrfachkandidaturen. Wer überdies in der interaktiven Grafik die Option «Parteien» anwählt, wird feststellen, dass sich «Over-» und «Underachiever» ziemlich gleichmässig zwischen den Parteien verteilen.

Ein gutes Beispiel…

Als Exempel dienen der erste und zweite Wahlgang der Luzerner Regierungsratswahlen 2003. Hier liegt kein echtes Quasi-Experiment vor, aber immerhin eines, dass diesen Anforderungen nahe kommt. Im ersten Wahlgang traten beispielsweise vier Neukandidierende der SVP an. Das beste Ergebnis von ihnen erzielte Räto Camenisch mit rund 21 Prozent Stimmenanteilen (Wählerstärke SVP LU 2003: 19.9%). Weil kein einziger Kandidat das absolute Mehr im ersten Wahlgang erzielte, fand wenig später der zweite Wahlgang unter grundsätzlich ähnlichen Bedingungen (und ähnlicher Wahlbeteiligung) statt. Die SVP schickte nur noch einen Kandidaten (Camenisch) ins Rennen. Er wurde zwar nicht gewählt, aber erzielte immerhin 31.3 Prozent Wählerstimmen, mithin also 10 Prozent mehr als im ersten Wahlgang.

… mit Grenzen

Aber: Dass Mehrfachkandidaturen nicht zwingend schlechter sein müssen als Einzelkandidaturen, versteht sich von selbst. Schliesslich geht es bei den Exekutivwahlen ja auch (und vor allem) um Persönlichkeiten. Dies belegen auch die Glanzresultate, die von “Neulingen” erzielten wurden, welche Teil eines Mehrfachtickets waren. Ein Beispiel: Heidi Z’graggen (CVP, UR) trat 2004 als Neukandidierende an den Urner Regierungsratswahlen an und liess dabei zwei bisherige CVP-Kandidaten hinter sich. Sie erreichte einen Stimmenanteil von 78 Prozent, obwohl ihre Partei «nur» 45 Prozent der Parlamentsmandate hielt (siehe Box).

Alles in allem scheinen Kandidaten, die Teil eines Mehrfachtickets sind, im Schnitt etwas schlechter abzuschneiden als Einzelkandidaten. Aber was heisst in diesem Zusammenhang schon «im Schnitt»? Es heisst bloss, dass Einzelkandidaten ceteris paribus voraussichtlich mehr Stimmen machen, als wenn sie Teil eines Mehrfachtickets sind. Für selbstbewusste Kandidaten ist das kein Grund für schlaflose Nächte: Denn «starke» Kandidaten setzen sich so oder so durch, nur bei «durchschnittlichen» Kandidaten könnte die Stimmenzersplitterung unter Umständen den Ausschlag geben (siehe hierzu das famose “prize fighter”-Argument von John Zaller).   

 von Thomas Milic


Berechnung der kantonalen Parteistärken

Für die Berechnung der kantonalen Parteistärken wurden in aller Regel die bei den jeweiligen Kantonsratswahlen erzielten Stimmenanteile verwendet. In gewissen Kantonen – Uri, aber auch GR, AI und AR – finden (bzw. fanden) jedoch in vielen (oder allen) Wahlkreisen Majorzwahlen statt, was eine Ermittlung der Parteistärken verunmöglicht (bzw. erheblich erschwert). Für den Kanton Uri liegen erst ab 2008 solche Parteistärken vor. Wir haben in solchen Fällen die Mandatsanteile im Parlament verwendet.